Arbeit/Familie

Die Einwanderung liegt im Kompetenzbereich des italienischen Staates. Durch seine Einwanderungspolitik kann der Staat im Wesentlichen nur die Bruttowanderung (Anzahl aller eingewanderten Ausländer) beeinflussen. Die Nettozuwanderung (Anzahl der eingewanderten Ausländer minus Anzahl der Auswanderer) entzieht sich der unmittelbaren politischen Steuerung.

Das italienische Recht gewährt Ausländern die Einreise ins Staatsgebiet, wenn diese bestimmte Voraussetzungen erfüllen. Die Einreise wird nur dann gewährt, wenn der Antragsteller beweisen kann, dass einer der im Gesetz vorgesehenen Gründe zur Einreise vorliegt. Der häufigste Einreise- und Aufenthaltsgrund in Italien ist die Arbeit, gefolgt von der Familienzusammenführung.

 

Arbeit

Migration aus Arbeitsgründen wird in saisonale und nicht-saisonale Arbeit unterteilt. Die Regierung setzt jährlich ein Kontingent für nicht-saisonale Arbeitsgenehmigungen für Drittstaatsangehörige fest. Diese Quote wird mit Rücksicht auf die Bedürfnisse der nationalen Wirtschaft, der Zahl der im Vorjahr ergangenen Familienzusammenführungen und der Umwandlungen von Aufenthaltsgenehmigungen aus anderen Gründen in Aufenthaltsgenehmigungen aus Arbeitsgründen festgelegt  Für das Jahr 2008 hat die Regierung bei einer Anfrage von 800.000 Arbeitsgenehmigungen ein Kontingent von insgesamt 170.000 Aufenthaltsgenehmigungen für nicht-saisonale Arbeit genehmigt. Diese Anzahl  wird zwischen Regionen und autonomen Provinzen aufgeteilt. Der Provinz Bozen wurde ein Kontingent von 500 nicht-saisonalen Arbeitsgenehmigungen zugesprochen.

Die Saisonarbeiter sind für die südtiroler Wirtschaft von großer Bedeutung. Landwirtschaft und Tourismus sind auf die Hilfe von ausländischen saisonalen Arbeitskräften angewiesen. Ähnlich wie bei den nicht-saisonalen Arbeitsgenehmigungen wird jährlich mit einem Dekret des Ministerpräsidenten das Kontingent an drittstaatsangehörigen Saisonarbeitern festgesetzt. Für das Jahr 2008 wurde italienweit eine Quote von insgesamt 80.000 Saisonarbeitern genehmigt, davon 1.200 für die Autonome Provinz Bozen.

In Südtirol werden 2008 voraussichtlich 19.000 Saisonarbeiter (davon ca. 12.000 für den landwirtschaftlichen Sektor, ca. 4.000 für den Tourismus) benötigt. Aufgrund der Erweiterung der Europäischen Union auf insgesamt 27 Mitgliedstaaten reisen die Saisonarbeiter aus den neuen EU-Mitgliedstaaten nicht mehr über das Quotensystem ein. Sie folgen als Unionsbürger den allgemeinen Normen der europäischen Freizügigkeit. Somit kann der Großteil der Nachfrage nach Arbeitskräften mit EU-Bürgern gedeckt werden.

Die Anfrage der Arbeitgeber um Arbeitskräfte aus Drittstaaten erfolgt entweder numerisch oder namentlich. Im ersteren Fall beantragt der Arbeitgeber eine bestimmte Anzahl von Arbeitskräften, die in den diesbezüglichen Listen der italienischen diplomatischen Vertretung im Ausland eingetragen sind. Beim namentlichen Antrag beantragt der Arbeitsgeber eine ihm bekannte Person als Arbeitskraft. Die Quästur überprüft die rechtliche Situation der ausgewählten Person und beauftragt bei positiver Beurteilung die italienische diplomatische Vertretung im Herkunftsland des Antragsstellers, dieser ein Visum aus Arbeitsgründen auszustellen. Bei der Einreise ins Staatsgebiet wird der Betreffende ein zweites Mal von den Sicherheitsbehörden auf seine rechtliche Situation hin überprüft. Wenn keine Ausschließungsgründe vorliegen, wird eine Aufenthaltsgenehmigung aus Arbeitsgründen ausgestellt.

Der Arbeitgeber verpflichtet sich, dem Arbeitnehmer eine Anstellung und eine würdige Unterkunft zur Verfügung zu stellen und die Spesen für seine Rückkehr in das Herkunftsland zu übernehmen (contratto di soggiorno). Damit übernimmt er auch der Gesellschaft gegenüber eine wesentliche Verantwortung.

 

Familienzusammenführung

Der Grundsatz der Einheit der Familie und der Achtung des Familienlebens ist völkerrechtlich fest verankert und gilt als anerkanntes internationales Menschenrecht. Dennoch kann nicht jeder in Italien ansässige Migrant seine Familie zu sich holen. Für die Familienzusammenführung muss der Antragsteller im Besitz einer Aufenthaltsgenehmigung von mindestens einem Jahr sein und belegen, dass er über genügend Einkommen verfügt, um seine Familie zu erhalten. Außerdem hat der Wohnraum, in dem er mit seiner Familie zu wohnen gedenkt, den lokalen Normen zu entsprechen. Beispielsweise benötigt ein Ausländer, der Ehegattin und seine zwei unter 14 Jahre alten Kinder nach Südtirol holen will, ein jährliches Einkommen von mehr als 10.123,36 Euro und eine Wohnung von mindestens 48m2. Die Familienzusammenführung kann für den Ehepartner, die minderjährigen Kinder und für die volljährigen zu Lasten lebenden Kinder und Eltern beantragt werdenn.

 

[Quelle: „Südtirol wird bunter“]

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