Bevölkerungsentwicklung

Bevölkerungsentwicklung in Deutschland

 

1,4 statt 2,1 Kinder

In Deutschland ist die Geburtenrate kontinuierlich gesunken, von fünf Kindern  auf heute 1,4 Kinder (pro Frau vom 15. Bis 49. Lebensjahr). Für eine gleichbleibende Bevölkerungszahl ist aber eine Geburtenziffer von 2,1 Kindern pro Frau notwendig. Von der 1965er-Generation der Frauen ist rund ein Drittel kinderlos, während bei den Familien die Zwei-Kind-Familie die häufigste ist. Großfamilien sind eine Seltenheit. Das Saldo von Geburten und Sterbefälle ist seit den 70er-Jahren negativ. Dies alles hätte zur Folge, dass die deutsche Bevölkerung von gegenwärtig zirka 82 Millionen auf 75 Millionen im Jahr 2050 schrumpft – was mit einer starken Vergreisung einhergeht und das demographische Gleichgewicht (Grundlage für das Rentensystem) aus den Fugen bringt.

 

Der Faktor Immigranten

Bei der Entwicklung der Bevölkerung spielen die Immigranten, bzw. Menschen mit Migrationshintergrund, eine wesentliche Rolle, und zwar in dreifacher Hinsicht. Dass die Bevölkerung Deutschlands trotz rückläufiger Geburtenraten gestiegen ist, liegt zum Großteil an der Zuwanderung. Von 1984 bis 1994 stieg die Zahl der ausländischen Bevölkerung um 2,5 Millionen, was zu zwei Drittel der Zuwanderung und zu einem Drittel der höheren Geburtenraten der Immigranten geschuldet ist. Trotz dass auch diese auch bei Ausländern langsam sinkt, so liegt sie mit rund 2 Kindern pro Frau dennoch über der Geburtenrate deutscher Frauen. Der dritte Faktor liegt in der Altersstruktur der Ausländer: Während die 20 bis 40-jährigen bei den Immigranten fast 46% ausmachen, sind es bei den Deutschen nur 27%. Dies hat zur Folge, dass noch für viele Jahre starke Geburtsjahrgänge in das Fortpflanzungsalter nachwachsen und es noch länger dauert, bis diese Jahrgänge in das Alter erhöhter Sterblichkeit nachrücken. Auch bei einem völligen Einwanderungsstopp würde also die Zahl der Ausländer in Deutschland für viele weitere Jahre zunehmen.

 

Die Auswirkungen auf lange Sicht

Eine Prognose aus dem Jahr 1997 geht bei einer jährlichen Nettozuwanderung von 190.000 Ausländern von einem Anstieg Ausländerquote auf 13% (10 Mio.) im Jahre 2015 und 17% (12 Mio.) im Jahr 2030 aus. Eine andere Prognose errechnet den Ausländeranteil in Deutschland ohne Staatsbürgerschaftswechsel bei fast 28% im Jahr 2050. Besonders stark wird sich diese Entwicklung in Städten und Ballungsräumen auswirken. Bei der Altersgruppe der bis 40-jährigen wird dort der Anteil der Ausländer die 50-Prozent-Marke erreichen.

 

Überfremdungsängste

Das beliebte Argument deutscher Politiker, nämlich dass die Ausländer durch den Geburtenrückgang zur idealen Lösung für Arbeitskräftemangel und Aufrechterhaltung des Rentensystems seien, weist zwei Haken auf. Zum einen unterstellt es, dass gegen die sinkende Bevölkerungszahl nicht die Steigerung der Geburtenrate der eigenen Bevölkerung helfe, sondern nur die Zuwanderung. Diese bevölkerungspolitische Kompensationsstrategie wurde zudem stillschweigend und ohne öffentliche Debatte hingenommen. Zum Zweiten sind die wirtschaftlichen, medizinischen und gesellschaftlichen Entwicklungen dadurch nicht prognostizierbar.

Das Szenario, dass die deutsche Bevölkerung von Zuwanderern verdrängt werde, lässt sich offensichtlich nicht belegen. Zudem hat niemand die deutsche Bevölkerung gezwungen, ihre Gebärfreudigkeit seit den 70ern so stark zu drosseln. Das Problem liegt auch nicht in der Existenz der ausländischen Kinder, sondern in der gegebenen Wahrscheinlichkeit, dass sie wenige Chancen haben, sich in der Aufnahmegesellschaft zu etablieren. Erst wenn es gelingt, die Bedingungen für gelingende Integration zu verbessern, wird sich das abzeichnende Konfliktpotential entschärfen lassen.

 

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