Immigration in Südtirol und seine Auswirkung auf den Schutz der nationalen einheimischen Minderheiten

Die Immigration in Südtirol wächst langsam, aber kontinuierlich und nähert sich dem quantitativen Niveau seiner benachbarten Regionen: im Norden (Nordtirol, Salzburg), im Westen (Schweiz, Kanton Graubünden, Luxemburg, Katalonien) und ist von zwei hauptsächlichen Aspekten gekennzeichnet:

[Zusammenfassung; ausführliche Version: http://www.gfbv.it/3dossier/eu-min/conseu-tb-de.html#top]

– ein starker saisonbedingter Charakter, und somit eine hohe Flexibilität und eine begrenzte Aufenthaltsdauer des größten Teils der Immigranten;
– eine ansteigende Bedeutung der Immigranten aus Osteuropa, sowohl aus den neuen EU- Mitgliedsländern als auch aus den nicht EU- Ländern.

Die Immigration in Südtirol begann erst spät, d.h. ca. um 1990 und hat sich heute zu einer der größten Gelegenheiten für ein Wirtschaftswachstum entwickelt, aber auch für eine kulturelle Bereicherung und Öffnung, bis hin zum „Global Village“. Die Immigration trägt zur beständigen positiven Entwicklung der Südtiroler Wirtschaft und der Sozialversicherungsleistungen bei. Trotz der generell positiven Auswirkungen, wirft die Immigration auch zwei wichtige Grundsatzfragen auf:
– wer hat die politische Kontrolle über den Einwandererzufluss (z.B. Wer kontrolliert unter welchen Kriterien den Immigrantenzufluss)?
– wer trägt die Verantwortung für die Bemühungen zur Integration?

Die Nachfrage auf dem Arbeitsmarkt und das wirtschaftliche Wachstum kurbeln die Immigration in Südtirol an, sie kann jedoch nur teilweise von der autonomen Landesregierung beeinflusst werden. Die direkten Kompetenzen zur Regulierung des Einwandererzuflusses liegen vollständig in den Händen der italienischen Zentralverwaltung.

Andererseits gehören die Bemühungen zur Integration der Einwanderer in die lokale Gesellschaft zu den Aufgaben der lokalen Verwaltung, die volle Entscheidungsbefugnis in den Bereichen der Ausbildung, des Gesundheitswesens, des sozialen Wohnbaus und der Sozialhilfe hat. Deshalb wäre es notwendig, die Kompetenzen der autonomen Regionen auf dem Gebiet der Einwanderungspolitik zu verstärken, obwohl die allgemeine Tendenz innerhalb der EU jene zu sein scheint, dass nach dem Aufbau eines eher noch stärker koordinierten Einwanderungssystems auf europäischer Basis, auch Immigranten aus Dritt-Ländern volle Mobilität garantiert wird. Um die Herausforderung der Integration in einer mehrsprachigen Umwelt meistern zu können, benötigen autonome Regionen mit ethnischen oder nationalen Minderheiten durchaus spezifische legale, finanzielle und politische Mittel.

Thomas Benedikter, Europäische Academie Bozen (29.9.2005). Übersetzung von Monika Christof, Veronika Schrott, Nadja Vulkan.

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